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    Presse

    Pressemeldungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge

    22.6.2017 Drucken

    Altersarmut: Erst Ursachen, dann Symptome bekämpfen

    Altersarmut ist und bleibt auch künftig nicht nur eine Folge von Rentenreformen, sondern insbesondere auch ein Problem des Arbeitsmarktes und der Anreize zur privaten Altersvorsorge sowie der Absicherung im Rahmen des Haushaltskontextes. Deswegen sollten zunächst vorbeugende Strategien verfolgt werden, bevor etwa die Ansprüche der Grundsicherung im Alter erhöht oder Zuschüsse für Niedrigrenten aus Steuermitteln bezahlt werden. Zu den vorbeugenden Strategien gehört an erster Stelle die Förderung von Qualifikation und Integration in den Arbeitsmarkt, um Altersarmut gar nicht erst entstehen zu lassen. Darüber hinaus gibt es zur Verbesserung der Rentenansprüche verschiedene Ansätze:

     Höhere Lebenseinkommen (mehr Beitragspunkte pro Jahr)

    • Geringqualifizierte sind eher arbeitslos und können selbst mit Beschäftigung nur geringe Löhne erzielen
    • Vor allem Migranten und Kinder aus einkommensschwachem Elternhaus haben hohe Schulabbrecherquoten – hier muss ein Teufelskreis durchbrochen werden.

    Mehr Arbeitsvolumen (mehr Beitragszeiten im Leben)

    • Weniger Unterbrechungen der Erwerbsphasen, insbesondere auch bei Müttern während der Kindererziehung durch mehr Krippenplätze und Ganztagsschulen
    • Längere Erwerbsphase durch Straffung der Ausbildung bei den Jungen und höhere Erwerbsbeteiligung Älterer durch Anreize zur lebenslangen Weiterbildung.

    Verbesserte Konditionen beim Riestersparen

    • Keine Anrechnung beim Bezug von Grundsicherung zur Vermeidung der Sparfalle
    • Einbeziehung der (Schein)Selbständigen in die Riesterförderung
    • Abschaffung der Mindestgarantien zur Verbesserung der Rendite in Zeiten der Niedrigzinsen
    • Radikale Vereinfachung des Fördersystems zur Senkung der Verwaltungskosten und verständlichere Förderkonditionen.

    Erst wenn alle Maßnahmen versagen, sollten rentenpolitische Maßnahmen im Sinne von heilenden Eingriffen herangezogen werden. Von Maßnahmen wie hohen Mindestlöhnen oder Zuschussrenten ist dagegen eher abzuraten. Sie sind nicht nur teuer, sondern erzeugen neue Probleme an anderer Stelle:

    • So müsste ein präventiver Mindestlohn sehr hoch ausfallen, um eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu gewährleisten. Das hätte aber erhebliche negative Effekte auf dem Arbeitsmarkt und würde gerade das Arbeitslosigkeitsrisiko für Geringqualifizierte erhöhen.
    • Zuschussrenten zur Aufwertung von Niedrigrenten sind problematisch, weil sie nur Langzeitbeschäftigten gewährt werden und daher dauerhaft Arbeitslose ausschließen, die die Mindestzeiten nicht erfüllen. Außerdem führen sie zu negativen Arbeitsanreizen für Ältere: Bei Erreichen des Schwellenwertes für den Zuschuss entsteht durch weiteres Arbeiten erst einmal kein höherer Rentenanspruch mehr. Dies ändert sich erst wieder nach sehr vielen zusätzlichen Beitragsjahren.
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